Marke: Fugazi
Variante: Vinyl
Eigenschaften:
PRODUKTBESCHREIBUNGEN PRODUKTBESCHREIBUNGEN re, remastered from original source tapes, w/ free download of album REZENSION Eigentlich hatte ich ja vor, diese Plattenkritik mit den gleichen beiden Sätzen wie meinen Souled-American-Text beginnen zu lassen und nur die Bandnamen auszutauschen, »Red Medicine« ist jedoch eindeutig mit der Absicht gemacht, einen Strich durch diese und ähnliche Rechnungen zu machen (wenn auch mit dem Bleistift). Ian MacKaye, Blueprint für alle »kurzbehosten Dogmatiker«, hat mit seinen Mitstreitern, wie es im Info in unnachahmlicher Waschzettelprosa heisst, »nach einer mehr als 2-jährigen Pause ein um neue Elemente bereichertes und dennoch den Wurzeln treugebliebenes Werk mit 13 Songs eingespielt«. Genau hierin liegen Problem und Potential des Albums. Free-jazzige Miniaturen, ein Dub-Jazz-Stück irgendwo zwischen Blind Idiot God und Tortoise, »bereichern« ihre Musik in etwa so spektakulär und oberflächlich/beliebig wie ein Multikulturdezernent eine Stadtverwaltung, solange sie beziehungslos zwischen Fugazi-typischem funky Mitgröl-Core stehen. Dass eine überzeugende Evolution, die sich nicht im Ornamentalen erschöpft, unter den Bedingungen von Hitparadenpunk und Underground-Kultiviertheiten durchaus möglich ist, wird überzeugender mit Stücken wie »Combination Lock« oder »Fell, Destroyed« demonstriert. Hier entwickeln Fugazi eine bisher ungekannte Lockerheit in der Neudefinition ihres puritanischen Groove-Stils, die es ihnen erlaubt, die übliche kathartische Auflösung ihres rechtschaffenden Zorns im Refrain auch mal zu verweigern. Der Gesang verharrt dabei immer seltener beim entpersonalisierten Shouting, sondern bemüht sich zunehmend um individuellen Ausdruck. Besonders »Fell, Destroyed« besitzt fast etwas wie Michael-Stipe-Eyed-Soul. Diedrich Diederichsen hat vor einigen Jahren die Musik auf Dischord (nicht unbedingt abwertend) als »ständig leicht erzürnt, grau, schmutzig und garantiert frei von interessanter Musik« charakterisiert. In Zeiten, in denen Unkompromittierbarkeit gerne als Authentizität vermarktet wird, haben Fugazi einen notwendigen Schritt in Richtung »Interessantheit« getan, selbstverständlich ohne dabei ins Gravitationsfeld kulinarischer Herangehensweisen abgedriftet zu sein. © Spex,Sven von Reden -- SPEX