Marke: Thurston Moore
Variante: Audio-CD
Eigenschaften:
PRODUKTBESCHREIBUNGEN PRODUKTBESCHREIBUNGEN International products have separate terms, are sold from abroad and may differ from local products, including fit, age ratings, and language of product, labeling or instructions. REZENSION Thurston Moore, der abgebrühte New Yorker Posenritter und Possenreisser gewährt auf seinem ersten Solo-Album, »Psychic Hearts«, Einblicke in einige seelische Hinterzimmer, die nicht zwangsläufig seine eigenen sind. Meistens zeigt er dort, wie der kleine Thurston, aus dem schützenden und kontrollierenden Kollektiv von Sonic Youth an seine Triebe und Fixierungen ausgeliefert, vor dem Spiegel in einer selbstgebastelten Iggy-Pop-Revue Schutz sucht. Bad Ass, Macho, aber auch ein wenig androgyn bzw. sexuell verunsichert, stöbert Iggy Moore im Vorrat der kollektiven Sexismen und Feminismen, offenbar, weil er mit bestimmten Frauen, um nicht zu sagen, den Frauen im allgemeinen, als Person des öffentlichen Lebens (vom Privatmann Thurston Moore ist nicht die Rede) seine Probleme hat (er will sie retten, ihr verständnisvoller Freund und Liebhaber sein, aber auch das Gegenteil). Natürlich ist die Sorte Problem, die Moore aufführt, nicht wirklich greifbar, sie lässt sich auf keine klinischen oder kritischen Lösungen und Heilungen hinführen, so dass der zuständige Psychotherapeut auch Rockkritiker und Ironieexperte sein müsste und einen akademischen Abschluss in Sonic-Youth-Kunde braucht. Denn wie sollte der sonst richtig einschätzen, welche Funktion die Namen von Cher, Cindy (Crawford/Sherman/Lauper?), Yoko Ono, Patti Smith, Wynona Ryder oder Madonna in den Songs auf »Psychic Hearts« übernehmen? Er sollte wissen, dass eine (sexuelle) Phantasie, die sich an diesen Namen und den ihnen anhängenden Attributen (Patti Smith: »burnin'«, »blood sister«; Yoko Ono: »queen of noise«; Cher: »is hot, hotter than hell« usw.) entzündet, eine (sub)kulturelle Phantasie ist. Dass Sex, und insbesondere die Sexualität von Rockstars, Thema einer Platte sein kann, ohne dass dadurch Rückschlüsse auf individuelle Psychen, womöglich die Psyche des hier beteiligten Rockstars möglich werden. Rhetorische Distanz und ironische Sicherung verhindern aber nicht, dass man sich Gedanken macht über die Qualität der Obsessionen, die Thurston Moore uns anbietet. Für den 1994 erschienenen Reader »Idle Worship« (Hrsg.: Chris Roberts), in dem Musiker und Kritiker über ihre Pop-Obsessionen Auskunft geben, zieht sich Moore dadurch aus der Affäre, dass er die Perspektive eines fiktiven Jungstars aus dem Alternative-Zirkus einnimmt und die recht erbärmlichen sexuellen Abenteuer und emotionalen Kalkulationen dieser Nerd-Type schildert (Textauszug: »I had always aspired to have casual sex but I was too shy about getting it happening, plus I wasn't exactly Keanu Reeves«). Ob Moore sich über dieses Elend lustig macht oder hofft, das abschreckende Beispiel könne seinen eigenen Kindern (mehr im geistigen als im biologischen Sinne) eine Lehre sein, bleibt in der Schwebe. In einer entsprechenden Ambivalenz von Zynismus und Didaktik sind ja auch Sonic Youth gefangen. Einerseits richten sie sich in ihrer Elternrolle ein, halten ihre schützenden Hände über den Nachwuchs, andererseits versuchen sie aus der paternalistischen Rolle auszubrechen, indem sie die Ausdrucksweisen ihrer »Kinder«, z.B. Pavement, adaptieren und damit aus dem vermeintlichen Vorsprung einen vermeintlichen Rückstand im Generationenwettbewerb machen. Thurston Moores Solo-Projekt drückt sich um diesen Zwiespalt herum, weil es sich weitgehend auf das Sex-Thema beschränkt, ihm einige lyrische Ausarbeitungen widmet, die demonstrieren, wie vielgestaltig, um nicht zu sagen: komplex der Künstler Moore ist. Aber auch die über weite Strecken gegebene musikalische Gelungenheit verdrängt nicht den Eindruck, es auf »Psychic Hearts« mit einem Unsympathen zu tun zu haben. Aber wahrscheinlich ist auch das nur ein schöner Fake. © Spex,Tom Holert -- SPEX Wie es sich für einen gehört, der im Dunstkreis der Enfants Terribles des Punk - Sid Vicious und Johnny Rotten - seine Karriere begann, nimmt Thurston Moore auf seinem Solodebüt kein Blatt vor den Mund, aber die Blechflüstertüte. Mit metallisch verfremdeter Stimme predigt der Übervater von Sonic Youth nicht von der Kanzel, sondern aus der Kanalisation zu vorwiegend eingängigen Punk-Rhythmen. Eingestreute verzerrte Gitarrenfetzen und Töne wie aus verstimmten Radioempfängern würzen den kontrastreichen Undergrund-Cocktail: reine Nevensache. © Audio -- Audio
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