Marke: Alan Curtis
Variante: Audio-CD
Eigenschaften:
PRODUKTBESCHREIBUNGEN KURZBESCHREIBUNG CURTIS ALAN / IL COMPLESSO BAR AMAZON.DE Zu Händels Zeit war "Lotario" ein grosser Misserfolg. Erst in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es Wiederbelebungsversuche -- vergeblich. Jetzt will man es wieder wissen: Der gute deutsche König Otto, für diese Oper kurzerhand in Lothar (Lotario) umbenannt, wird herbeigezogen, um die Stadt Pavia aus den Klauen des bösen Berengario zu befreien. Umsponnen von Liebe, Macht und Eifersucht nimmt das Drama seinen Lauf und beglückt uns nun auf dieser Doppel-CD (mit einer schönen Text von Donna Leon) mit vorwiegend gewohnter, immer wieder aber auch spezieller Meisterschaft Händelscher Musik. Der Dirigent Alan Curtis führt, nicht zuletzt auch durch sein behändes Spiel auf dem Harpsichord, ein bewegliches und sehr ausgeglichenes Solisten-Ensemble durch dieses Werk. Und die Kürzungen versprühen eine faszinierende Atemlosigkeit und geben dem Stück eine erträgliche Länge. Leider etwas harmlos kommt der Tenor Steve Davislim als Berengario daher. Seine Stimmschönheit gönnt dem gierigen Machthaber keine Ecken und Kanten. Sein Sohn, Idelberto, von der Altistin Hilary Summers gesungen, besticht durch dunkle Stimmfärbung. Die Liebe zu Adelaide spürt man in jedem Ton. Simone Kermes singt die Adelaide mit feinem, reinen Sopran, durchaus auch zu Ausbrüchen fähig. Sonia Prinas "Matilde" (Alt) wird mit überzeugendem, den Zuhörer nicht gleichgültig lassendem Timbre gesungen. Der Bass von Vito Priante (Clodomiro) wirkt rund und bodenständig. Sara Mingardo (Alt) glänzt in der Titelpartie mit fliessender, tadellos geführter Stimme, die alle Ebenen menschlicher Gefühle ausstrahlt. Tänzerisch, leicht, aber mit der nötigen Bodenhaftung agiert das Orchester "Il Complesso Barocco" unter Alan Curtis. Der Maestro dirigiert ein Werk, dem die ganz grossen Reisser fehlen, das aber, spätestens beim zweiten Mal hinhören, nicht nur die eingefleischten Händel-Fans inspirieren dürfte. Rudolf Kamm DAS LABEL ÜBER DIE CD Händels Lotario verkörpert einen anspruchsvollen Stil, mit dem es der Komponist seinem Publikum nicht leicht machte. Jedenfalls fiel es ihm nicht ein, der gängigen Mode in England, die wesentlich von der Beggar's Opera von John Gay und Johann Christoph Pepusch geprägt wurde, "hinterherzukomponieren", als er 1729 seine neue Oper schrieb. Die Strafe für den Misserfolg beim Londoner Publikum folgte auf dem Fusse: Lotario wurde umgehend abgesetzt und durch Giulio Cesare ersetzt. Für die Opernhistorie wurde der Lotario dadurch zur Randerscheinung -- erst im 20. Jahrhundert wurde das Werk wieder auf die Bühne gebracht, eine Einspielung auf Tonträger war bisher nicht verfügbar. Die jetzt vorliegende erste Gesamteinspielung, die unter der musikalischen Leitung von Alan Curtis entstand, fördert ein echtes Juwel zutage: Dieses glanzvolle und virtuose Opernerlebnis lässt den anfänglichen Misserfolg aus heutiger Sicht vollends mysteriös erscheinen. Als glühende Verehrerin von Händels Bühnenwerken und engagierte Kollaborateurin von Alan Curtis in Sachen Händel-Ausgrabungen ist die Autorin Donna Leon, bekannt, die ihren Romanhelden Commissario Brunetti regelmässig auf Recherche auch in die unkonventionellen Zirkel der Opernsänger, -dirigenten und -impresarios schickt. Auf unterhaltsame Weise und mit der nachsichtigen Liebe des echten Fans führt Sie in ihrem CD-Einleitungstext durch die Eigenheiten eines Librettos, das in seiner barocken Fülle an Handlungen und emotionalen Ausbrüchen in der Opernpraxis des frühen 18. Jahrhunderts keine Ausnahme bildet. Mit der Darstellerin der Adelaide -- Simone Kermes -- hat sie bereits ein vorangegangenes CD-Projekt realisiert, ebenfalls in Zusammenarbeit mit Alan Curtis und dem Ensemble Il Complesso Barocco: das Album "La Maga Abbandonata". Alan Curtis editierte für diese Aufnahme des Lotario eine eigene Partiturfassung, die dem Anspruch einer Gesamtaufnahme gerecht wird und grösstmögliche Quellentreue gewährt, ohne auf die nötige dramaturgische Stringenz zu verzichten. Spürbar für den Hörer: die freundschaftliche Atmosphäre während der Aufnahmen in diesen Juni-Tagen im italienische Ravello an der Amalfiküste. (BMG Classics)